Hand in Hand für bessere Lebensmittel
Das globale Ernährungssystem muss dringend umfassend nachhaltiger werden. Der Welternährungstag erinnert uns daran, dass dies nur gemeinsam gelingen kann. Die Kunststoffindustrie leistet dazu ihren Beitrag.
Wenn ich von meinem Zuhause auf dem Land ins Büro in Leverkusen pendle, fahre ich regelmäßig hinter großen Traktoren her, die auf dem Weg zum Feld oder zurück sind. Diese Begegnungen zünden zwei Gedanken: die Arbeit der Bauern um uns herum ist essenziell, um die Lebensmittel zu produzieren, die wir brauchen. Gleichzeitig steht unser Ernährungssystem vor vielfältigen Herausforderungen, in Deutschland und vielen anderen Teilen der Welt. Themen, auf die der Welternährungstag 2025 am 16. Oktober aufmerksam macht, der dieses Jahr unter dem Motto steht: „Hand in Hand für bessere Lebensmittel und eine bessere Zukunft.“
Die globale Hungerkrise
Weltweit leiden rund 670 Millionen Menschen an Hunger, und etwa 2 Milliarden haben keinen regelmäßigen Zugang zu ausreichend nahrhaften Lebensmitteln. Auch wenn diese Zahlen für viele Menschen in wohlhabenden Ländern mit rund um die Uhr verfügbarem Essen weit entfernt erscheinen, ist auch die Situation hier möglicherweise weniger sicher, als wir denken. Zum Beispiel warnen Expertinnen und Experten, dass Deutschland mit Lebensmittelengpässen konfrontiert sein könnte, da Wasser zur Bewässerung knapper wird.
Gleichzeitig sieht sich die Mittelmeerregion zunehmend extremen Wetterereignissen gegenüber, die Ernten vernichten. Europa, ein dicht besiedelter Kontinent mit dem Anspruch auf ständige Lebensmittelverfügbarkeit, könnte verletzlicher sein, als wir es uns eingestehen wollen.
Der Global Food Policy Report 2025 bestätigt diese Sorgen. Demnach könnte der Klimawandel die globalen Rohstoffpreise bis 2050 um bis zu 18 Prozent steigen lassen im Vergleich mit einem Szenario ohne Klimawandel. Dieser Preisanstieg könnte zusätzlich 78 Millionen Menschen in chronischen Hunger treiben, mehr als die Hälfte von ihnen in Afrika südlich der Sahara.
Das bedeutet: Das Ernährungssystem muss dringend nachhaltiger werden – weit über den Klimaschutz hinaus. Umso mehr, als die Weltbevölkerung bis 2050 voraussichtlich um rund 1,5 Milliarden Menschen wächst. Das macht eine Steigerung der Lebensmittelproduktion um 30 bis 60 Prozent notwendig.
Nährreicher Boden und Wasser: bedrohte Ressourcen
Wir müssen uns auf zwei grundlegende Ressourcen konzentrieren, die die Basis unserer Ernährungssicherheit bilden: Boden und Wasser. Ihr Schutz muss im Zentrum jeder Lösung stehen – ob Hightech oder traditionell, ob in Industrie- oder Entwicklungsländern.
Weltweit verlieren wir fruchtbaren Mutterboden in alarmierendem Tempo – Schätzungen zufolge bis zu 24 Milliarden Tonnen pro Jahr. Ist dieser Boden erst einmal verschwunden, kann es Jahrhunderte dauern, bis er sich regeneriert.
Wasserknappheit stellt eine ebenso drängende Herausforderung dar – die Landwirtschaft verbraucht etwa 70 Prozent des weltweit verbrauchten Süßwassers. Um diese lebenswichtige Ressource nachhaltig zu managen, muss sich die Art und Weise ändern, wie wir Wasser sammeln, speichern, verteilen und innerhalb unserer Ernährungssysteme nutzen.
Die Bewältigung dieser Herausforderungen macht es nötig, modernste Technologien mit traditionellen Praktiken zu kombinieren, die kreativ neuinterpretiert werden müssen. Präzisionslandwirtschaft kann beispielsweise den Wasserverbrauch um bis zu 30 Prozent senken und gleichzeitig die Erträge steigern. Ebenso wichtig sind Innovationen in der regenerativen Landwirtschaft, die helfen, Böden wieder gesunder zu machen und gleichzeitig Kohlenstoff zu binden.
Darüber hinaus wird die Anpassung an den Klimawandel immer wichtiger – was auch Chancen bietet. Ich habe selbst erlebt, wie der Klimawandel traditionelle Agrarlandschaften verändert: Bei meiner letzten Reise nach Italien etwa habe ich erfahren, dass Chiquita dort den Bananenanbau testet – eine Kulturpflanze, die traditionell mit tropischem Klima verbunden ist, nun aber aufgrund steigender Temperaturen auch in Südeuropa Fuß fassen könnte. Das ist ein pragmatischer Ansatz: die veränderten Bedingungen erkennen und die landwirtschaftlichen Systeme entsprechend anpassen.
Der Global Food Policy Report betont außerdem, dass die Eindämmung des durch den Klimawandel verursachten Hungers jährlich bis zu 24 Milliarden US-Dollar kosten könnte – einschließlich Investitionen in Agrarforschung, Wasserversorgung und andere Infrastrukturen.
All das unterstreicht die Notwendigkeit für innovative, kosteneffiziente Lösungen, die in großem Maßstab umgesetzt werden können.
Materialien für nachhaltige Ernährungssysteme
Mein Büro in Leverkusen befindet sich bei Covestro, einem globalen Unternehmen für spezielle Werkstoffe. Ich arbeite hier auch deshalb besonders gern, weil wir – neben vielen anderen Themen – Lösungen entwickeln und anbieten, die nachhaltige Ernährungssysteme unterstützen.
Im Bereich Wassermanagement ermöglichen zum Beispiel fortschrittliche Bewässerungssysteme aus langlebigen Kunststoffen eine präzise Wasserzufuhr direkt an die Wurzeln der Pflanzen. Biologisch abbaubare Baumschutzhüllen mit biobasierten Beschichtungen helfen dabei, unsere lebenswichtigen Wälder vor Wasserverlust zu schützen.
Zum Schutz des Bodens verhindern biologisch abbaubare Mulch-Folien das Wachstum von Unkraut und die Verdunstung von Wasser. Spezielle Saatgutbeschichtungen tragen dazu bei, Umweltbelastungen zu reduzieren und Erträge zu steigern – und sind dabei vollständig biologisch abbaubar.
Um die Haltbarkeit von Lebensmitteln zu verlängern und Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, können spezielle Beschichtungen eingesetzt werden, die Papierverpackungen vor Verunreinigungen schützen und vollständig recycelbar sind. Solche Ansätze sind besonders wertvoll in Regionen mit begrenzter Infrastruktur, wo bis zu 40 Prozent der Lebensmittel zwischen Ernte und Verbrauch verloren gehen können.
Hand in Hand: Die Kraft des "UND"
Die Kunststoffindustrie ist somit Teil der Lösung – und damit sind wir beim Motto des Welternährungstags: „Hand in Hand“. Denn es geht nicht darum, sich zwischen Hightech oder traditionellen Ansätzen, Industrie- oder Entwicklungsregionen, kurzfristigen Bedürfnissen oder langfristiger Nachhaltigkeit zu entscheiden. Es geht darum, die Kraft des „UND“ zu nutzen – und anzuerkennen, dass wir alle Lösungen brauchen, die gemeinsam wirken.
Ganz im Sinne von „UND“ entwickeln Covestro-Beschäftigte nicht nur innovative Produktlösungen, sondern leisten auch einen Beitrag zur Bekämpfung der weltweiten Ernährungsunsicherheit. In der Region Amerika hat mein Unternehmen beispielsweise die Initiative „10 for 10“ ins Leben gerufen: Für jede ehrenamtliche Stunde, die Mitarbeiter in diesem Jahr leisten, spendet Covestro über gemeinnützige Organisationen zehn Mahlzeiten an hungernde Menschen.
Zum Welternährungstag – und zum 80. Geburtstag der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen – lade ich uns alle ein, darüber nachzudenken, wie wir zu nachhaltigeren Ernährungssystemen beitragen können. Wenn wir zusammenarbeiten und die Kraft des „UND“ statt des „ODER“ nutzen, können wir tatsächlich bessere, nachhaltigere Lebensmittel und eine bessere Zukunft für kommende Generationen schaffen.