Die unterschätzte Kraft der Sonne
Die Mobilität der Zukunft besteht nicht nur aus Autos mit Batteriestrom. Auch die Solarenergie gewinnt als umweltverträglicher Antrieb zunehmend an Bedeutung. Entscheidend dafür sind die richtigen Materialien – wie das Projekt Sonnenwagen zeigt.
Rund neun Milliarden Tonnen: So viel Kohlendioxid verursacht der weltweite Verkehr jedes Jahr, etwa ein Viertel aller CO₂-Emissionen aus der Energieverbrennung. Die Herausforderung ist somit klar: Mobilität muss klimaverträglicher und effizienter werden. Die spannendere Frage ist: Wie kommen wir dahin?
Momentan stehen Elektroautos klar im Fokus. 2025 wurden davon weltweit mehr als 20 Millionen verkauft, jeder vierte neu zugelassene Pkw hat damit einen Stromakku an Bord. Und gerade steht die Technologie auf dem jährlichen World EV Day wieder im Blickpunkt.
Aber wir dürfen nicht außer Acht lassen: Die Mobilitätswende braucht mehr als eine Antwort. Die Anforderungen an einen Stadtbus, einen Pkw, einen Fernverkehrs-Laster oder ein Flugzeug unterscheiden sich erheblich. Und können andere Antriebsarten als den Elektromotor erforderlich machen.
Mehr als eine Antriebsart
Deshalb sind neben Batterien auch Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe Teil des Lösungskosmos. Und zunehmend rückt auch eine Energiequelle in den Blick, die bislang eher mit Nischenanwendungen verbunden wurde: die Sonne. Im Webtalk von Covestro wird dieses Thema näher beleuchtet.
Fahrzeugintegrierte Photovoltaik, kurz VIPV, macht die Fahrzeugoberfläche zu einem Teil des Energiesystems. Wie groß ihr Beitrag sein kann, hängt neben dem Fahrzeugtyp auch von Standort und Nutzung ab. Laut dem europäischen SolarMoves-Bericht aus dem Jahr 2025 könnte VIPV zum Beispiel in Madrid bis zu 50 Prozent des jährlichen Energiebedarfs eines Pkw decken, während es in Amsterdam bis zu 35 Prozent sind.
Das heißt natürlich nicht, dass künftig jedes Auto ausschließlich mit Sonnenenergie fahren wird. Der springende Punkt ist vielmehr: Der Solarantrieb kann schon relevant sein, wenn er nur einen Teil der Versorgung übernimmt. In Kombination mit anderen Antriebsarten lassen sich zusätzliche Reichweite ermöglichen, der Ladebedarf reduzieren oder Nebenverbraucher mit Energie versorgen.
Karosserie wird zum Kraftwerk
Besonders interessant sind dabei auch Nutzfahrzeuge: Große Dach- und Aufbauflächen bieten Potenzial, Solarenergie direkt im Betrieb zu verwenden. Bei einem Ford E-Transit in Nordeuropa deckte ein Solarsystem in einem Testmonat beispielsweise rund 12,5 Prozent der gesamten Ladeenergie ab. Der Wert von VIPV liegt damit nicht allein in möglichen CO₂-Einsparungen. Fahrzeuge, die einen Teil ihrer Energie selbst erzeugen, können unabhängiger von Ladeinfrastruktur werden und lokale Stromnetze entlasten.
Gleichzeitig bleiben Grenzen wie verfügbare Fläche, Sonneneinstrahlung, Wirkungsgrad und Kosten. Und hier beginnt die nächste Herausforderung: Wie effizient nutzt ein Fahrzeug die Energie, die ihm zur Verfügung steht? Gewicht, Aerodynamik, Wärmemanagement, Batteriesicherheit und Materialauswahl greifen dabei ineinander.
An dieser Schnittstelle arbeitet Covestro – als Materialentwickler, der Lösungen für genau diese Anforderungen liefert. Zum Beispiel beim „Sonnenwagen“ des gleichnamigen studentischen Teams aus Aachen. Auf der World Solar Challenge hat das Solarrennauto zuletzt mehr als 3.000 Kilometer durch das australische Outback ausschließlich mit Sonnenenergie zurückgelegt. Unter diesen Bedingungen zählen jedes Gramm und jede eingesparte Wattstunde. Und damit auch die Frage, welche Materialien mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllen können.
Ein Labor auf Rädern
Genau daran arbeiten das Team Sonnenwagen und Covestro gemeinsam. Die Studierenden bringen ihr tiefes Verständnis des Fahrzeugs und konkrete technische Anforderungen ein, der Kunststoffhersteller die Material- und Anwendungsexpertise. Gemeinsam werden Lösungen diskutiert, getestet und weiterentwickelt – etwa für Leichtbau, Batterie- und Wärmemanagement oder den Schutz sensibler Komponenten.
Mehr als zehn Covestro-Materialien kommen im aktuellen Modell „Covestro Æthon“ zum Einsatz. Darunter chemisch recycelter Polyurethanschaum aus ausgedienten Autositzen im Fahrersitz und eine Beschichtung, die energieeffizient bei Raumtemperatur aushärtet.
So wird der Sonnenwagen zum Labor auf Rädern. Für Lösungen, die später auf unseren Straßen ankommen könnten. Und die zeigen: Die Mobilität der Zukunft hängt entscheidend von den passenden Materialien ab.