17
Juli
2026
|
14:22
Europe/Amsterdam

Wissenschaft greifbar machen

Written by: Stefan Paul Mechnig
Zusammenfassung

Durch die Stärkung der Wissenschaft hoffen die Vereinten Nationen, ihre Ziele für eine nachhaltige Welt doch noch zu erreichen. Die Industrie kann dabei helfen – indem sie Forschung in konkrete Lösungen überführt, die im Alltag ankommen.

Die Uhr tickt. Nur noch vier Jahre, dann soll das Versprechen eigentlich eingelöst sein: die umfassend nachhaltige und widerstandsfähige Welt, die sich die Vereinten Nationen auf die Fahnen geschrieben haben. Eigentlich. Denn mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDG) – in Gang gesetzt vor einem Jahrzehnt – geht es nur sehr schleppend voran. Gerade einmal ein Drittel liegt auf Kurs oder macht zumindest moderate Fortschritte. In zentralen Bereichen, etwa beim Klimaschutz oder der Bekämpfung des Hungers, sind indes sogar Rückschritte zu verzeichnen. Und die kann die Welt sich überhaupt nicht leisten.

Die SDG mögen in Zeiten von Krieg, Konfrontation, Wirtschaftsflaute und allgemeiner Unsicherheit einen harten Stand haben. Richtig und wichtig bleiben sie dennoch. Um der „Agenda 2030“ neuen Schwung zu verleihen, setzt die UNO besonders auf die Wissenschaft. Zu diesem Zweck hat sie 2024 die Initiative „Internationale Dekade der Wissenschaften für nachhaltige Entwicklung“ ausgerufen. Den Menschen vor Augen zu führen, welch großen Nutzen Forschung und Innovation bewirken können, sie in die Lage zu versetzen, Wissen anzuwenden, und das angeknackste Vertrauen in diese Sphäre zurückzugewinnen – das sind ihre Kernziele.

Zwei Jahre nach dem Start wird nun erste Bilanz gezogen: auf einer großen Konferenz in Paris mit über 800 Personen aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und der Wirtschaft. Dieser Ansatz der Gemeinsamkeit ist absolut zielführend, und die Einbindung der Industrie allemal. Denn sie ist das Bindeglied zwischen neuen Erkenntnissen, guten Ideen, hochfliegenden Plänen und deren Umsetzung. Wissen in Handeln zu verwandeln: Dafür braucht es die Kompetenz und das Engagement der Millionen Unternehmen rund um den Globus.

Die Chemieindustrie zeigt exemplarisch, wie das gelingen kann. Sie ist auf der einen Seite wissenschaftsbasiert, tief verankert in der akademischen Welt – auf der anderen Seite stark anwendungsorientiert und erfahren darin, Forschungserfolge vom Labor über Pilot- und Demonstrationsanlagen bis in die großtechnische Produktion zu skalieren.

Schneller vom Labor in den Markt

Allerdings verläuft der Technologietransfer vielerorts viel zu schleppend – in Industrienationen wie Deutschland, Japan, Frankreich und Italien ebenso wie in Entwicklungs- und Schwellenländern, vor allem in Südasien, Sub-Sahara-Afrika und Südamerika. Die Gründe reichen von einer schwachen Start-up-Kultur über mangelnde Digitalisierung und unzureichenden Patentschutz bis hin zu lähmender Bürokratie. An diesen Rahmenbedingungen muss sich dringend etwas ändern, damit die Wissenschafts-Dekade auch zu konkreten Ergebnissen führt, die auf die SDG einzahlen.

Die chemische Industrie, einschließlich der Kunststoffbranche, hat jedenfalls ein enormes Potenzial, das noch wesentlich besser abgerufen werden kann. Viele Unternehmen können und wollen bei der Verwirklichung der Nachhaltigkeitsziele helfen. Covestro zum Beispiel richtet sich mit seiner Strategie stark auf nachhaltige Lösungen aus – also auf Produkte, die nicht-fossile Rohstoffe enthalten oder einen geringeren CO₂-Fußabdruck aufweisen.

Das Spektrum ist vielfältig – von leichten Kunststoffen zur Förderung der Elektromobilität über Dämmstoffe zur Erhöhung der Energieeffizienz von Gebäuden bis zu Innovationen für die Landwirtschaft.

Saatgutbeschichtungen zum Beispiel: Dadurch haften Pflanzenschutzmittel am Korn und gelangen nicht in die Luft – was nicht nur der Umwelt nützt, sondern auch Ernteverluste durch Schädlinge und Pilze reduziert.

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Covestro fördert vornehmlich solche Innovationen, die einen Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen leisten. Insgesamt trägt das Unternehmen zu allen 17 SDG in unterschiedlichem Maße und in verschiedenen Bereichen bei. Und das nicht nur mit Produkten, sondern auch mit Technologien. Bei der Herstellung der Dämmstoff-Komponente MDI etwa kommt ein innovatives Verfahren (AdiP) zum Tragen, das den Energiebedarf stark senkt und damit auch die Emissionen: Der CO2-Fußabdruck fällt pro Tonne Produkt um bis zu 35 Prozent niedriger aus.

Akzeptanz der Wissenschaft erhöhen

Die Industrie als Scharnier zwischen Forschung und Anwendung – in Wirtschaft und Wissenschaft ist das gelebte Praxis. Doch dieser Fortschritt steht auf tönernen Füßen. Nicht nur wegen der vielfach unzureichenden Rahmenbedingungen. Sondern auch wegen der verbreiteten öffentlichen Skepsis bis Ablehnung gegenüber der Wissenschaft, die durch internetgestützte Des- und Fehlinformation und irreführende Propaganda verstärkt wird.

Wenn die Welt in der Dekade der Wissenschaften für nachhaltige Entwicklung einen echten Wissensschub erreichen soll, dann braucht es Aufklärung. Durch Fakten, und vor allem durch anschauliche Erfolgsbeispiele: Menschen müssen verstehen, wie Wissenschaft und Wirtschaft ihr Leben verbessern – und wie es ohne sie aussähe.

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