Bio-Anilin

Basis-Chemikalie aus Biomasse

Anilin hat in der chemischen Industrie viele Funktionen. So wird es beispielsweise als Grundlage für die Herstellung von Medikamenten, Farb- und Kunststoffen verwendet. Covestro benötigt Anilin für die Produktion von MDI, einem Hauptbestandteil von Schaumstoffisolierungen. Bei der Formulierung von Anilin haben wir nun zum ersten Mal ein Verfahren entwickelt, mit dem wir die Chemikalie gänzlich aus erneuerbaren Rohmaterialien anstatt Erdöl gewinnen können – ein bedeutender Durchbruch.
„Wir wollen unabhängiger von fossilen Rohstoffen werden. Anilin aus Biomasse zu gewinnen ist ein enorm wichtiger Schritt auf diesem Weg.“
Dr. Markus Steilemann, Vorstandsvorsitzender und verantwortlich für alle kommerziellen Funktionen sowie Innovation. 
Anilin aus nachwachsenden Rohstoffen
Anilin lässt sich aus Futtermais, Stroh oder Holz gewinnen.
Aktuell wird Anilin in der Branche aus Benzol gewonnen, einem Rohmaterial auf Erdölbasis. Neben Rohrzucker, der bereits in vielen Bereichen als erneuerbares Rohmaterial eingesetzt wird, eignen sich jedoch beispielsweise auch Körnermais, Stroh und Mais für die Gewinnung von Anilin. Das neu entwickelte Verfahren nutzt einen Mikroorganismus als Katalysator für die Umwandlung des Industriezuckers in ein Vorprodukt. Das Anilin wird daraufhin in einem zweiten Schritt durch chemische Katalyse produziert. Einhundert Prozent des in Anilin enthaltenen Kohlenstoffs kommt also aus erneuerbaren Rohmaterialien.

Dieser Durchbruch ermöglicht eine merkliche Verbesserung des CO2-Fußabdrucks des Produktionsprozesses, sowohl in unseren eigenen Werken als auch in denen unserer Kunden. Das neue Verfahren bringt zudem viele wirtschaftliche Vorteile, da ein breiteres Spektrum an Rohmaterialien die Hersteller unabhängiger von den Fluktuationen am Markt macht. Und das alles auf verantwortungsvolle Art und Weise: Die Herstellung von biobasiertem Anilin braucht nur wenig Anbaufläche und kann auf Non-Food-Ausgangsmaterialien basieren, selbst bei der Versorgung großer Werke.

Dies lässt auf weitere Fortschritte in der Umsetzbarkeit einer nachhaltigen Produktion von Polyurethan-Hartschaum hoffen, der oft bei der Isolierung von Gebäuden und Kühlanlagen zum Einsatz kommt.