12
Dezember
2025
|
15:12
Europe/Amsterdam

Nachhaltige Welt – wirtschaftliche Chance

Zusammenfassung

Klimawandel, Artensterben, Ressourcenschwund, Umweltverschmutzung – alles ballt sich immer mehr zu einer großen Systemkrise zusammen. Wir müssen sie viel stärker ganzheitlich adressieren – und dabei auch die enormen wirtschaftlichen Chancen sehen.

Fax, Reisescheck, Kaufmannsladen. Viele Wörter sterben aus, weil sie keine Entsprechung mehr in der Wirklichkeit haben. Ich fürchte, „Staatengemeinschaft“ und „Weltordnung“ könnten bald dazugehören – bei dem Tempo, in dem das internationale System in teils selbstzentrierte Machtblöcke zerfällt. Immerhin sehen aber offenbar viele Länder weiter einen Sinn darin, sich an einen Tisch zu setzen. So wie jetzt auf der UN-Umweltversammlung in Nairobi, dem höchsten Entscheidungsgremium der Vereinten Nationen in allen Umweltbelangen.

Denn so fragmentiert und chaotisch die Geopolitik sich darstellt, so zusammenhängend sind die Probleme, die dringend gemeinschaftlicher Lösungen bedürfen. Darauf weisen zwei umfassende neue Studien hin, die im Vorfeld der Konferenz in Kenia erschienen sind. Sie haben mich aufgerüttelt – im Negativen wie im Positiven.

Zunächst das Alarmsignal. Was die OECD in ihrem Umweltausblick bis 2050 konstatiert, muss uns allen zu denken geben – denn es betrifft uns alle, über kurz oder lang: Dass sich Klimawandel, Artensterben und Ressourcenschwund sowie Umweltverschmutzung immer mehr zu einer systemischen „Dreifachkrise“ von planetarem Ausmaß zusammenballen.

360-Grad-Sicht statt Silodenken

Dieser Konnex muss viel stärker ganzheitlich gesehen und adressiert werden; die Menschheit kann sich ein Silodenken schlicht nicht mehr leisten. Denn sollte es bei dem heutigen Vorgehen bleiben, werden wir bis zur Jahrhundertmitte in allen Dimensionen noch einmal gravierende Verschlechterungen erleben, warnen die Experten.

Aber jetzt zur erfreulicheren Seite. Wenn Regierungen und Wirtschaft entschlossen in den Schutz von Klima und Natur investieren, dann könnten nicht nur Millionen Menschen aus Armut befreit und vor Krankheit und vorzeitigem Tod bewahrt werden. Dann winken überdies immense wirtschaftliche Vorteile: Bis 2070 könnte die globale Wirtschaftsleistung um mindestens 20 Billionen US-Dollar pro Jahr höher liegen als beim Business as usual, so der Global Environment Outlook, den das UN-Umweltprogramm UNEP jetzt vorgelegt hat.

Nicht-Handeln keine Option

Natürlich sind auch die Investitionen hoch – allein bis 2050 im Schnitt rund acht Billionen Dollar jährlich für Netto-Null-Emissionen sowie Schutz und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt. Aber: Die Kosten des Nicht-Handelns wären deutlich höher. Man führe sich nur vor Augen, was die zunehmenden Wetterextreme nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht bedeuten. Das mag auch denjenigen einleuchten, die „grünen“ Themen skeptisch gegenüberstehen.

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Ich kann die Botschaft von UNEP-Direktorin Inger Andersen nur unterstreichen: „Entweder die Menschheit geht weiter in eine Zukunft, die von Klimawandel, schwindender Natur, degradierten Böden und verschmutzter Luft verwüstet ist. Oder sie ändert ihre Richtung und sichert einen gesunden Planeten, gesunde Menschen und gesunde Volkswirtschaften. Das ist eigentlich gar keine Wahl.“

Eine nachhaltige Welt als Aufgabe, Chance und wirtschaftlicher Imperativ – dies entspricht genau meiner Denkweise. Wir dürfen, bei aller berechtigten Sorge, die Zukunft nicht nur düster sehen. Und schon gar nicht die Bemühungen um Nachhaltigkeit als Naivität oder Zumutung abtun. Ganz im Gegenteil: Wenn – vereinfacht gesagt – immer mehr mitmachen, dann kann die Welt auch wieder lebenswerter werden: sauberer, gesünder und komfortabler, smarter und partizipativer. Und eben auch wohlhabender.

Hightech-Materialien nutzen

Denn es mangelt ja nicht an Ideen und Plänen. Wissen, Werkzeuge und Technologien sind vorhanden, wie auch in den Studien betont wird. Was mich wiederum anspornt, noch mehr für die Entwicklung von zukunftweisenden Materialien wie etwa Hightech-Kunststoffen zu tun. Denn sie sind unerlässlich, um auf praktisch allen Handlungsfeldern voranzukommen. 

Im Energiesektor etwa, der als größter Emittent von Treibhausgasen den Klimawandel befeuert: Hier helfen Kunststoffe unter anderem beim Umstieg auf saubere Quellen wie Wind- und Solarkraft. Oder in der Landwirtschaft, dem größten Treiber für den Verlust von Ökosystemen. Kunststoffe können hier für effizientere, ökofreundliche Anbaumethoden sorgen, zum Beispiel in Form von biologisch abbaubaren Beschichtungen für Saatgut.

Kreislaufwirtschaft als Gesamtkonzept

Aber, wie gesagt, es geht nicht (nur) um Einzellösungen. Sondern darum, den Schutz von Klima, Natur und Umwelt konzeptionell besser zu verknüpfen. Und es gibt dafür auch eine Schlüsselstrategie: die Kreislaufwirtschaft. Ein gesellschaftliches Programm, das bewusstes Konsumverhalten, umweltverträgliche Produktionsweisen und nachhaltiges Wachstum vereinen kann. 

Konsequent angewandt, setzt es an den miteinander verwobenen Ursachen der „Triple Crisis“ an: Klima- und gesundheitsschädliche Emissionen werden sinken, wir benötigen weniger Ressourcen, Ökosysteme und Arten bleiben erhalten, unser Abfallaufkommen wird kleiner. 

Dazu gehört natürlich auch, dass künftig weniger Plastikmüll in die Umwelt gerät. Ich hoffe sehr, dass wir dazu endlich eine vernünftige globale Übereinkunft bekommen – und alle Akteure beweisen, dass der Begriff der internationalen Gemeinschaft doch nicht sinnentleert wird.

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