Die nächste Dürre kommt bestimmt – sind wir vorbereitet?
Ernten schrumpfen, Preise steigen – die Verfügbarkeit von Lebensmitteln wird immer mehr zur Herausforderung. Die Botschaft zum Welternährungstag: Wir brauchen vorausschauende Innovationen und passende Materialien für die nächste Dürre.
Wir sehen es bislang eher als Problem für die weniger entwickelten Gegenden dieser Welt: die Unterversorgung mit Lebensmitteln. Seit Russlands Angriff auf die Ukraine, dem Krieg am Golf und der extremen Hitze und Trockenheit dieses Sommers ändert sich diese Wahrnehmung jedoch: Ernährungssicherheit ist auch für die reicheren Länder zu einer spürbar ernsten Herausforderung geworden.
So dürfte die Ernte in Europa zwischen Juni und September um 16,7 Millionen Tonnen geringer ausfallen – so viel, wie Italien, Belgien und die Niederlande üblicherweise zusammen produzieren. Für die Landwirte könnte das Experten zufolge Verluste von mehr als drei Milliarden Euro bedeuten.
Und das ist vermutlich noch nicht das Ende. Denn das globale Wetterphänomen El Niño ist diesmal nicht nur besonders stark, sondern dauert auch ungewöhnlich lange. Nach jüngsten Erkenntnissen der Weltorganisation für Meteorologie wird es wohl noch bis in den Februar 2027 anhalten und zu verstärkten Überschwemmungen und Dürren führen – mit verheerenden Folgen für die Landwirtschaft.
Umso wichtiger, dass der Welternährungstag nun in den Blick rückt, worauf es vor allem ankommt: Innovationen für den Agrarsektor zu entwickeln, die weit in die Zukunft reichen. Unter dem Motto „Innovate today. Nourish tomorrow.“ geht es im Kern um zwei Fragen: Welche Lösungen brauchen wir? Und wie organisieren wir Innovation, damit sie rechtzeitig am richtigen Ort verfügbar ist?
Innovating Today
Eine gute Nachricht: Viele Lösungen gibt es schon – für Anbau und Ernte über Haltbarmachung und Verteilung von Nahrung bis zu Konsum und Reststoffverwertung. Für alles braucht es passende Materialien. So arbeitet Covestro etwa an Werkstoffen zur Beschichtung von Saatgut, die nicht nur deren Handhabung und Keimung verbessert, sondern sich vollständig biologisch abbaut, statt Mikroplastik in der Umwelt zu hinterlassen.
Ein anderes Beispiel: Bindemittelrohstoffe für Papierverpackungen, die teilweise aus Biomasse hergestellt werden. Sie können die Packung dichter machen, um die Ware besser vor Feuchtigkeit, Sauerstoff oder Fett zu schützen, und die Recyclingfähigkeit des Papiers unterstützen.
Wichtig ist bei allem das vernetzte Denken. Um die Nahrungsmittelversorgung grundlegend zu verbessern, braucht es Systeminnovationen, die Ökosysteme und Wirtschaftsräume mit Biologie, Materialien, Technik und Geschäftsmodellen verbinden.
Der wahre Nutzen entsteht nämlich oft erst im Zusammenspiel. So wie bei den Gewächshäusern, Solartrocknern und isolierten Kühlräumen auf Basis von Polycarbonat und Polyurethan, die Covestro mit Partnern in Indien und anderen Ländern ermöglicht. Hier dreht es sich nicht nur darum, eine solche Vorrichtung zu installieren. Vielmehr brauchen Früchte nach dem Trocknen auch eine geeignete Verpackung. Und verpackte, getrocknete Früchte eröffnen den Bauern vielleicht neue Vermarktungswege. So können neue Wertschöpfungsketten entstehen.
Nourishing Tomorrow
Doch wir dürfen uns nicht auf bestehenden Lösungen ausruhen. In einer Welt, die sich rapide verändert, halten klassische Innovationszyklen oft nicht mit sprunghaften Bedürfnisveränderungen Schritt. Wer erst bei eindeutig messbarer Nachfrage investiert, kommt zu spät. Wer jede Option vollständig entwickelt, bevor ein Bedarf entsteht, verschwendet Ressourcen. Wer auf Extrapolation des Heutigen baut, steht schnell vor einer ganz anderen Realität mit dann falschen Lösungen.
Viele Forschungsteams sind zudem so eng an aktuelle Märkte gekoppelt, dass Prototypen die Unterstützung verlieren, wenn noch keine ausreichende Nachfrage existiert. Fehlt das Know-how später, ist das Dilemma groß.
Es gilt, Lösungen für Zukunftsfacetten mittels Simulationen zu erforschen. Wir brauchen einen aktiv gesteuerten Lösungsraum, in dem mögliche Zukunftsoptionen mit angemessenen Mitteln vorbereitet werden. Sobald aus schwachen realen Signalen ein nennenswerter Bedarf wird, muss die Entwicklung beschleunigt werden.
Dafür sollten wir Problem- und Lösungsräume systematisch verzahnen. Der Problemraum bündelt Risiken, Szenarien und lokale Bedingungen. Der Lösungsraum ordnet verfügbare Ansätze nach ihrer Einsatzbereitschaft. So wird sichtbar, was angepasst werden kann und wo gezielte Forschung fehlt. Ein Ansatz, den die Welternährungsorganisation FAO unterstützt: Nötig sei eine Verlagerung vom Reagieren zum vorausschauenden Handeln.
Für die Innovationsarbeit heißt das konkret: früh klären, welche Trigger uns ins Handeln bringen, wer entscheidet und welche Mittel bereitstehen. Denn die Antworten auf die nächste Dürre werden nicht am Tag der Krise erfunden, sondern lange davor.
Materialien spielen dabei eine unterschätzte Rolle – sie sind der Punkt, an dem Forschung zum Produkt und Nutzen sichtbar wird, vom Acker bis zur Ladentheke. Der Welternährungstag ist ein guter Anlass, sich das vor Augen zu führen.