Schneller, höher, weiter fürs Klima
Sportevents wie die Olympischen Spiele begeistern nicht nur Milliarden von Menschen. Sie legen auch zunehmend den Fokus auf Nachhaltigkeit und können zum Vorbild für die gemeinsame Gestaltung einer grünen Zukunft werden.
Zwei Monate wurde es kreuz und quer durchs Land getragen, nun lodert es in Paris: das traditionelle Feuer, das in den kommenden vier Wochen die Olympischen Spiele in Frankreichs Hauptstadt begleitet. Die Flamme steht bekanntlich für ein friedliches Miteinander und internationale Verständigung – Ideale, die in unseren unruhigen Zeiten durch den Megaevent an der Seine hoffentlich befördert werden. Mit erwarteten 15 Millionen Gästen aus aller Herren Länder ist jedenfalls die Voraussetzung gegeben, dass sich die unterschiedlichsten Menschen näherkommen und Barrieren und Vorurteile unter den Nationen abgebaut werden.
Gleichzeitig führen uns solche Besucherzahlen eine Kehrseite dieser Großereignisse vor Augen. Denn sie sind immer auch eine immense Herausforderung in puncto Nachhaltigkeit. Sie bedeuten millionenfache Reisebewegungen, gigantischen Ressourcenverbrauch und riesige Abfallmengen. Ob die Fußball-Europameisterschaft vor ein paar Wochen, ob die gerade zu Ende gegangene Tour de France oder eben Olympia 2024: Alle haben auch Auswirkungen auf Umwelt, Natur und Klima. So wurden bei den letzten Sommerspielen 2020 in Tokio 2,7 Millionen Tonnen CO2 produziert. Und bei der Fußball-WM zwei Jahre später in Katar entfielen allein 1,6 Millionen Tonnen des Klimagases auf den Bau von sieben Stadien, die neu in den Wüstensand gesetzt wurden.
Auf der anderen Seite bekommt der Sport den Klimawandel zunehmend zu spüren. Unzuverlässiger Schneefall und zu milde Temperaturen bedrohen die Aktivitäten im Winter; Hitze und Wetterkapriolen machen Athleten und Zuschauern im Sommer zu schaffen.
Sport auf Netto-Null trimmen
Die Mission von Frieden und Verständigung muss also um die Dimension Nachhaltigkeit ergänzt werden. Und genau das passiert erfreulicherweise immer mehr. 2018 wurde im Rahmen der Vereinten Nationen das „Sports for Climate Action Framework“ ins Leben gerufen, mit dem Internationalen Olympischen Komitee in der Führungsrolle und dem Ziel, im Sportbereich bis 2040 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.
Noch erfreulicher: Es bleibt nicht bei Ankündigungen. Hatte schon Tokio 2020 einen Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit gesetzt, mit Podien aus recyceltem Kunststoff etwa oder Medaillen aus Elektronikschrott, so will Paris in dieser Hinsicht alle bisherigen Olympischen Spiele in den Schatten stellen.
Der grüne Maßnahmenkatalog ist ein „Schneller, höher, weiter“ der anderen Art: Die Treibhausgas-Emissionen im Vergleich zu den Spielen während des vorherigen Jahrzehnts halbieren. Erstmals unter dem Strich klimaneutral werden. 100 Prozent erneuerbare Energien nutzen. Zu 95 Prozent bereits bestehende oder nur vorübergehend errichtete Infrastruktur in Anspruch nehmen. Einweggeschirr um 50 Prozent verringern, die Menge an pflanzlichen Lebensmitteln verdoppeln – das sind nur einige der ökologischen Rekordziele.
Athleten als Nachhaltigkeits-Botschafter
Das Konzept der Kreislaufwirtschaft wird also immer mehr auch im Sport verankert, was mich überaus freut. Denn als Schlüssel für Klimaneutralität, Ressourcenschonung und Umweltschutz sollte es zum globalen Leitprinzip werden. Und wer kommt als globale Botschafter dafür besser infrage als die Turnerinnen und Schwimmer, die Läuferinnen und Ballkünstler mit ihren Millionen Fans?
Damit das Konzept aufgeht, sind zudem Innovationen der Wirtschaft wie etwa klimaneutrale Kunststoffe nötig, für die überall im Sport Bedarf besteht – von Stadien über Ausrüstung bis zu Funktionskleidung. Letztlich brauchen wir sämtliche Gruppierungen, um eine kreislaufbasierte Zukunft zu errichten. Paris macht es vor mit einem akribischen Masterplan. Von der Stadtverwaltung über Umweltorganisationen und Sozialverbände bis zu Lieferanten wirken alle daran mit.
Von Events wie Olympia können Impulse zur Zukunftsgestaltung in alle Richtungen ausgehen. Denn hier sind die Bereiche vereint, die vordringlich transformiert werden müssen wie Mobilität, Bauen, Energie. Mein größter Wunsch in diesen Tagen: Dass die olympische Idee des Miteinander und der Verständigung über den Sportsommer 24 hinaus Bestand hat und zum Fanal wird auf dem langen Weg in ein nachhaltiges Morgen.