Hinter den Kulissen: Dialog über Imagio® in Autodesk VRED
Imagio®: Covestros digitale Plattform für Polycarbonat-Materialzwillinge ist jetzt in Autodesk VRED integriert. Ein Meilenstein für Designer im Automobilbereich. Wie kam es zur Zusammenarbeit? CovNet sprach mit den Experten Pascal Seifert (Autodesk) und Tobias Rausch (Covestro).
Imagio®: Covestros digitale Plattform für Polycarbonat-Materialzwillinge ist jetzt in Autodesk VRED, einer Software für 3D-Visualisierung und virtuelle Prototypenerstellung, integriert. Ein Meilenstein für Designer im Automobilbereich. Wie kam es zur Kooperation? CovestroNet sprach darüber mit Pascal Seifert, Technischer Produktmanager im Automotive und Conceptual Design Team bei Autodesk VRED und Dr. Tobias Rausch, Digital Sampling – Global Color & Design von Covestro.
Frage 1: Lieber Pascal, lieber Tobias: Imagio® ist jetzt integriert in Autodesk VRED und damit ganz früh im Auto-Designprozess verfügbar. Wie kam es dazu?
Tobias: „Die Idee kam ganz natürlich – wir haben gesehen, wie Designer immer digitaler arbeiten, aber trotzdem physische Muster anfordern mussten. Das kostet Zeit, Geld und entspricht nicht der immer schnelleren Geschwindigkeit der Automobilentwicklung. Materialhersteller wie wir beschäftigen sich wiederum schon lange mit dem Thema digitaler Materialzwillinge. Bei Covestro haben wir 2019 damit losgelegt und unsere Polycarbonat-Materialien mit Imagio® bereits fotorealistisch digitalisiert. Uns war klar: Diese gehören direkt dorthin, wo die Designentscheidungen fallen – in die großen Design-Softwares selbst."
Pascal: “Das AxF-Format für vermessene Materialien, das in Imagio® zur Verfügung gestellt wird, gibt es in Autodesk VRED bereits seit einiger Zeit. Die Unterstützung von Covestro, insbesondere durch Tobias, war aber ganz entscheidend für die Implementierung der transluzenten AxF-Materialien in Autodesk VRED 2026. Dabei steckt der Teufel häufig im Detail, und nur mittels der Zusammenarbeit mit einem Materialexperten, konnten wir sicherstellen, dass alle Materialeigenschaften im Rendering korrekt wiedergegeben werden. Als wir erfuhren, dass Covestro mit Imagio® eine riesige Bibliothek von fotorealistischen und vermessenen Materialzwillingen zur Verfügung stellt, war uns sofort klar, dass wir diese unseren gemeinsamen Kunden, auf einem direkten und einfachen Weg, zugänglich machen müssen. Der Zugriff auf die Imagio® Bibliothek aus Autodesk VRED heraus, ermöglicht es Designern beispielsweise, sofort zu sehen, wie Oberflächen im Auto-Innenraum aussehen würden, ohne vorher aufwändig Einzel Files herunterladen zu müssen.“
Frage 2: Was waren die größten technischen Herausforderungen bei der Integration?
Pascal: “Das von Imagio® zu Verfügung gestellte AxF Materialmodel ist recht komplex und bis dato waren noch nicht alle Features in Autodesk VRED unterstützt. Die Herausforderung lag also erst einmal in der Vervollständigung des Materialmodels. Die Implementierung der Imagio® Bibliothek über einen sogenannten Webshop in Autodesk VRED war doch recht reibungslos, da die dafür benötigte Technologie bereits in Autodesk VRED vorhanden war und sich das Bedienkonzept von Imagio® nahtlos in unser Konzept einfügt.
Tobias: „Das stimmt, Pascal – und von unserer Seite war es entscheidend, dass wir unser komplettes Polycarbonat-Portfolio so aufbereiten, dass es nahtlos in eure Umgebung passt. Wir mussten sicherstellen, dass ein Designer bei euch im Autodesk VRED-Tool per Drag&Drop unser Material auf ein Armaturenbrett ziehen kann und sofort sieht: 'Genau so würde es aussehen.' Dank des kontinuierlichen Austauschs zwischen unseren Teams haben wir es sehr gut hinbekommen. Die positiven Rückmeldungen nach nur einem Monat sprechen für sich.”
Frage 3: Was bedeutet diese Integration für die Zukunft des Automobildesigns? Wie könnte es weitergehen?
Tobias: „Wir ermöglichen mit der Integration Designern, schon in frühen Entwicklungsphasen die Vielseitigkeit von Polycarbonat unkompliziert und niedrigschwellig zu entdecken. Das passt perfekt in die Arbeitsweise und Erwartungen von Designern heutzutage. Es sorgt auch für Beschleunigung: Wenn ich am Bildschirm schon das möglichst passende Material auswählen kann, spare ich als Designer viel Zeit und vormals notwendige Abstimmung mit Materialherstellern, von denen wir ja auch immer nur einer waren. Das passt auch zur immer kürzeren Entwicklungszeit von Autos, die sich von vormals sieben auf mittlerweile zwei Jahre verkürzt hat, und wo deshalb parallel statt sequenziell gearbeitet werden muss. Für uns als Materialhersteller ist es unheimlich wertvoll, so früh im Designprozess da zu sein - weil im Designprozess Materialentscheidungen getroffen werden. Da müssen wir also präsent sein und das sind wir.
Pascal: „Tobias hat einen wichtigen Punkt genannt – die Parallelisierung der Entwicklung und die Geschwindigkeitsvorteile eines solchen digitalen und qualitativ hochwertigen Angebots, ist ganz entscheiden. Was wir hier sehen, ist erst der Anfang. Wo Designer bereits heute ein Material wie Polycarbonat in unserer Software fotorealistisch sehen und für erste optische Simulationen einsetzen können, können wir vielleicht in Zukunft auch Simulationen für mechanische Eigenschaften anschließen oder Alterungsprozesse eines Materials abbilden. Stellt euch vor: Designer testen nicht nur, wie das Material „neu“ aussieht, sondern auch, wie es nach zehn Jahren parken unter freiem Himmel aussehen könnte und können dies in ihrer Entscheidungsfindung berücksichtigen – alles digital, alles mit wenigen Klicks verfügbar. Das wird die Art, wie die Autohersteller ihre Fahrzeuge entwickeln, fundamental verändern."
Die Integration ist ab dem 07.August 2025 global verfügbar – ein Schritt, der zeigt, wie Covestro die Zukunft des Automobildesigns mitgestaltet.