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      Indien leidet unter Plastikabfall. Doch Lösungen sind in Sicht.

      Kampf gegen den Müll

      Unterwegs im Bus von Mumbai nach Pune. Sanfte Hügel, fruchtbare Ebenen. Eigentlich eine Idylle. Wenn da nicht der viele Unrat und das weggeworfene Plastik wären – leere Flaschen entlang der staubigen Straßen, zerfetzte Tüten selbst in den Bäumen.

      Die Fahrt führt vor Augen: Das riesige Indien mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern hat ein nicht minder großes Abfallproblem. 15 Millionen Kilogramm Plastikmüll kommen dort jeden Tag zusammen. Und nur etwa mehr als die Hälfte wird gesammelt und recycelt, wie die US-Onlinezeitung „Huffpost“ berichtet. Der Rest landet unkontrolliert in Gassen, vor Häusern, neben Autobahnen, in Flüssen, im Meer und von dort an den Küsten.

      „Was wir jetzt unternehmen, ist entscheidend für die Zukunft unseres Planeten.“

      Harsh Vardhan, indischer Umweltminister

      Verbot von Einwegkunststoffen

      Immerhin hat die Regierung das Problem erkannt und adressiert. Zum Weltumwelttag im Juni vorigen Jahres gab Umweltminister Harsh Vardhan bekannt, dass bis 2022 landesweit alle Einwegkunststoffe verbannt werden sollen. Gleichzeitig will er das Abfallmanagement und die Recycling-Systeme verbessern. „Dies ist eine bedeutende Zeit für die Menschheit, denn was unsere Generation jetzt unternimmt, ist entscheidend für die Zukunft unseres Planeten“, so der Minister. Mumbai ist hier Vorreiter: Unmittelbar nach der Ankündigung erließ Indiens Wirtschaftsmetropole bereits ein lokales Verbot für Einweg-Plastik.

      Gewohnter Anblick: In Indien liegt viel Müll am Straßenrand.

      Zu wertvoll zum Wegwerfen

      Klar ist: Kunststoffe sind viel zu wertvoll zum Wegwerfen – vor allem die dauerhaften, hochwertigen und speziellen. Sie werden im Gegenteil dringend gebraucht. Denn Hightech-Kunststoffe sind das Material der Wahl, um die vielen großen Herausforderungen zu bewältigen, mit denen Indien neben dem Müllthema konfrontiert ist.

      Die Urbanisierung etwa: Das Land hat 46 Millionen-Städte mit teils ausufernden Slums, chaotischem Verkehr und häufigem Smog. Hier können gut isolierende und kostengünstige Kunststoffe für nachhaltigen, bezahlbaren Wohnraum sorgen. Andere Eigenschaften wiederum helfen, die relativ umweltfreundliche Elektromobilität zu fördern sowie die Lebensmittelversorgung und die Einkommenssituation der Landwirte zu verbessern. Allesamt weltweite Herausforderungen, die sich in Indien im XXl-Maßstab finden.

      Hilfe für den heiligen Fluss

      Globaler Brennpunkt ist das Land auch im Hinblick auf den Abfall. So zählt der Ganges, der heilige Strom der Hindus, einer Studie zufolge zu den zehn Flüssen der Erde, die weltweit mit großem Abstand den meisten Plastikmüll pro Jahr ins Meer spülen. Aber das soll sich ändern. Die indisch-stämmige US-Amerikanerin Priyanka Bakaya will mit ihrer Firma Renewlogy den Kunststoff auffangen und wiederverwerten – daraus soll durch chemische Umwandlung in kürzester Zeit Treibstoff entstehen. Das Ganges-Projekt ist der Ausgangspunkt von Bakayas „Renew Oceans“-Initiative, die sich nach und nach weitere große Flüsse vornehmen will.

      Kreisläufe schließen

      Unterstützt wird die Aktion von der Alliance to End Plastic Waste, einem weltweiten Firmennetzwerk, das Anfang 2019 an den Start gegangen ist. Die 30 Gründungsmitglieder aus den Bereichen Chemie, Kunststoffe, Konsumgüter und Entsorgung, darunter Covestro, wollen helfen, Plastikmüll zu verringern – durch ein besseres Abfallmanagement und Lösungen zur sinnvollen Verwendung von Kunststoffen nach ihrer Nutzung.

      Letztlich gilt es, umfassend in Kreisläufen zu denken zu handeln. Priyanka Bakaya bringt es auf den Punkt: „Unser Ziel ist, eine echte zirkuläre Wirtschaft für die wertvollen Moleküle im Kunststoff zu schaffen, damit keines mehr in die Umwelt gelangt.“

      Stefan Paul Mechnig

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      Mobilität

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      Urbanisierung

      Metropolen wie Mumbai brauchen dringend Lösungen für nachhaltiges Wohnen.

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