Covestro verfolgt mit seinem „Inclusive Business“ genannten Geschäftsansatz das Ziel, gesellschaftlichen Fortschritt von Menschen am unteren Ende der Einkommenspyramide zu beschleunigen. Das Unternehmen plant, bis 2025 zehn Millionen Menschen in unterversorgten Märkten wie Indonesien, Thailand und Indien mit nachhaltigen Produkten und Lösungen zu unterstützen.
Fest umschließt Mallappan den Griff seines Pflugs. Dreißig Jahre harter Feldarbeit haben seine Hände und seinen Körper sichtlich gezeichnet. Er blickt nach oben in die Sonne, die heiß auf sein Heimatdorf Kathappa Nagar im Süden Indiens brennt. Schweiß läuft ihm in die Augen. Mit dem Handrücken wischt er sich über die Stirn. Er arbeitet schon den ganzen Tag. Für ihn als Bauern ist das Normalität. Die 1,2 Hektar Land, die er von seinem Vater geerbt hat, brauchen Pflege. Sie ernähren nicht nur Mallappan selbst, sondern auch seine Frau und seine zwei Kinder. Das Land ist die einzige Einnahmequelle der Familie – wenn das Wetter mitspielt. „Dürren machen es uns schwer“, sagt er und lässt die Arbeit kurz ruhen. Er stützt sich auf den Griff des Pflugs; die jahrelange Feldarbeit hat Spuren hinterlassen. „Weil Wasser knapp ist, muss ich oft Pflanzen anbauen, die wenig Wasser brauchen, wie Mais, Hirse oder Erdnüsse.“ Die sind zwar robust, bringen aber auch weniger Geld. Er kann davon leben. Aber eine Zukunft fernab der Felder wird so für seine Kinder zur Utopie.
Bauer Mallappan verkaufte bis vor kurzem seine Früchte auf dem Wochenmarkt. Bis zu einem Drittel seiner Ernte ging dabei aber verloren.
Der Verkauf auf dem örtlichen Wochenmarkt ist nicht selten eine Enttäuschung. Ein Drittel der Ernte geht dort verloren – weil keiner sie kauft oder weil sie schon auf dem Weg zu stark verrottet.
Feldfrüchte wie Papayas und Mangos liefern mehr Ertrag. Vielleicht sogar nicht nur genug nur für eine Gegenwart, sondern auch für eine Zukunft. Seit Kurzem pflanzt Mallappan Mangos auf zwei Dritteln seines Ackerlands an. Die sollen für die Zukunft sorgen. Seine Gegenwart, die täglichen Ausgaben, deckt er mit Papayas, die er auf der verbleibenden Fläche anbaut. So zumindest der Plan. Die Realität sieht jedoch häufig anders aus. Der örtliche Wochenmarkt – seit jeher der einzige Ort, an dem er seinen Ertrag verkaufen kann – war nicht selten eine Enttäuschung: „Nach stundenlanger Arbeit auf den Feldern und dem Markt konnte ich ein Drittel meiner Ernte komplett abschreiben. Entweder verrottete sie auf dem Weg oder keiner wollte sie kaufen.“
Getrocknete Früchte aus dem Solartrockner steigen um über 3000% im Wert. Zahlen, die über Abhängigkeit und Unabhängigkeit von Bauern in Indien entscheiden können.

Neue Märkte schaffen

Covestro stellt in Indien Materialien für bislang mehr als 1.200 kleine Solartrockner, über 200 parabelförmige Solartrockner und mehr als 80 solarbetriebene Kühlschränke zur Verfügung. Letztere sind mit hartem Polyurethan-Schaumstoff isoliert – einem weiteren Material, für das das Unternehmen die Werkstoffe liefert. In der indischen Region Krishnagiri, wo auch Mallappan lebt, hat Covestro den lokalen Polycarbonat-Hersteller Vivunes, den Trockenfruchtproduzenten MCI Agro Industries sowie die National Bank for Agriculture and Rural Development (NABARD) an einen Tisch gebracht, um den Bauern zur Seite zu stehen. Dank dieser Kooperation profitieren jetzt 70 Kleinbauern von Solartrocknern und höheren Ernteerträgen.

Der MCI-Produzent H. M. Sathyamurthy und sein Unternehmen wollten Landwirte unterstützen, indem sie ihnen neue oder alternative Erntemethoden aufzeigen: „Wir möchten gemeinsam mit den Bauern lokale Rohstoffe zu einem guten Preis produzieren und ihnen bei der Steigerung ihrer Erträge, der Energie- und Kosteneffizienz zur Seite stehen. Ziel ist es, gesunde Lebensmittel herzustellen, die der Gesellschaft als Ganzes zugutekommen.“

H. M. Sathyamurthy betreibt die Solartrockner-Farm im Süden Indiens. Er erzielt damit gute Einkünfte. Einen Teil davon gibt er an die Bauern weiter, indem er ihnen gute Preise für ihre Ernte bezahlt.
H. M. Sathyamurthy ist zufrieden mit seinem Investment. „Die Solartrockner bringen guten Ertrag. Wir können den Bauern ihre Ernte ohne Verlust und zu einem guten Preis abnehmen.“

Auf der Suche nach neuen Trocknungstechnologien lernte er ein Team von Covestro kennen. Es stellte einen Prototyp des Solartrockners aus Polycarbonat her, dessen Praxistauglichkeit Sathyamurthy mit den landwirtschaftlichen Erzeugnissen der hiesigen Bauern testen wollte. „Begonnen haben wir mit einem Trockner, der 100 Kilogramm Trockenfruchtmasse pro Tag verarbeiten kann“, berichtet er und blickt auf seine Anlage inmitten grüner Felder in dieser sehr trockenen, rauen Bergregion Indiens. „Schon nach kurzer Zeit war klar: Das wird funktionieren! Also haben wir sechs große Trockner für unsere Anlage hier in Krishnagiri mit einer Kapazität von fünf Tonnen pro Tag in Betrieb genommen. Und bald werden wir aufstocken müssen.“

Höhere Qualität, größerer Ertrag

Der offensichtlichste Vorteil der Covestro-Lösung? Seine Effizienz. Der Energiebedarf, zum Beispiel für die Belüftungsanlage, ist äußerst gering und wird ausschließlich durch Strom aus Solarzellen gedeckt. Der wichtigste Vorteil ist jedoch, dass das Polycarbonat hervorragend isoliert. Sonnenstrahlen können die einzigartige Struktur des Materials durchdringen, sodass es im Trockner schnell heiß wird. Steht die Anlage von morgens bis abends in der Sonne, werden Temperaturen von bis zu 60 Grad erreicht. Dadurch lässt sich die Trockenzeit halbieren. Gleichzeitig lässt das Material keine UV-Strahlen passieren. So behalten die Lebensmittel weitestgehend ihre natürliche Farbe, was im Hinblick auf ihre Vermarktung ein entscheidender Vorteil ist. „Unterm Strich produzieren wir in der Hälfte der Zeit Produkte mit besserer Qualität“, erklärt Sathyamurthy. Andere Solar trockner werden zudem mit Diesel oder mit deren fossilen Energieträgern aufgeheizt und haben einen derart hohen Bedarf an Energie, dass allein 25 Prozent der Betriebskosten darauf entfallen.

Höhere Qualität, mehr Effizienz: Dank Polycarbonat von Covestro verringert sich die Trockenzeit von Früchten um die Hälfte – und der integrierte UV-Filter sorgt dafür, dass die Snacks ihre natürliche Farbe behalten.
Zu den 70 Kleinbauern, die ihre Ernte an MCI verkaufen, zählt auch Mallappan. Von einem Freund hatte er von den Trocknern erfahren. Neugierig geworden besuchte er die Anlage und lernte dort Sathyamurthy kennen. Alles Weitere ergab sich wie von selbst. Für eine Papaya, wie sie auch Mallappan anbaut, bezahlt MCI zwischen zwölf und 15 Rupien, also bis zu 20 Cent pro Kilo. Auf dem Wochenmarkt bekäme er acht bis zehn Rupien und müsste 30 Prozent seiner Ware abschreiben, weil sie entweder auf dem Weg dorthin oder im Laufe des Tages unverkäuflich geworden ist. Das macht die Solartrocknungsanlage zu einer unangefochtenen und verlässlichen Einkommensquelle für Mallappan und die Bauern der Umgebung.

Zusammenarbeit, die die Welt lebenswerter macht


Als er diese Chance für sich erkannte, zögerte er keine Sekunde. „Ich wusste sofort, dass dies für meine Ernte die beste Lösung ist. Da musste ich nicht lange überlegen.“ Die Vorteile bestätigten sich schnell: „Es existieren keine Mengenbegrenzungen und ich kann meine gesamte Ernte verkaufen. Es gibt keinen Ausschuss, da ich sowohl reife als auch unreife Früchte anliefern und verkaufen kann.“ Er spart sich nicht nur den Transport zum Markt, sondern verdient auch mehr und erhält sein Geld direkt und ohne Umwege über einen Zwischenhändler. „Durch die Solartrockner hat sich mein Leben und das meiner ganzen Familie erheblich verbessert.“

Bei einem Wiedersehen auf seinem Feld ist auf Mallappans Gesicht ein breites Lächeln zu erkennen. Nach Jahren des Stillstands ist er dank der Anstrengungen eines deutschen Unternehmens einen großen Schritt vorangekommen. Er wird seine Ernte auch weiterhin zu MCI und den Solartrocknern bringen. Auch Freunden und Nachbarn berichtete er schon von der neuen Geschäftsmöglichkeit, damit auch sie davon profitieren können. Aber das bedeutet nicht, dass es auf dem Feld weniger zu tun gibt. Und so macht sich der Bauer aus Südindien sofort wieder mit seinem Pflug an die Arbeit.