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      Die Zukunft der Daten – und der erneuerbaren Energien

      Die Zukunft der Daten – und der erneuerbaren Energien

      Wie sehen die Städte der Zukunft aus? Darüber sprechen einige Experten in unserer Reihe #MyFutureCity. In diesem Artikel erklärt Yale-Professorin Angel Hsu, wie das Teilen von Daten unsere Städte nachhaltiger macht und zu sauberer, erneuerbarer Energie verhilft, wie es dazu beiträgt, Krankheiten vorzubeugen – und warum China mit gutem Beispiel vorangeht.
      Angel Hsu ist Juniorprofessorin für Umwelttechnik am Yale-NUS College in Singapur. Sie ist auch Gründerin des „Data-Driven Lab“, eines Thinktanks, der eine offenere Herangehensweise an Daten fordert, um damit die ökologische Situation zu verbessern.

      2015 war die chinesische Journalistin Chai Jing mit ihrem ersten Kind schwanger. Bei der Geburt entdeckten die Ärzte, dass das Kind mit einem Tumor auf die Welt gekommen war – glücklicherweise mit einem gutartigen. Dennoch war Chai Jing geschockt. Am liebsten wäre sie nie mit ihrer Tochter nach draußen gegangen, um sie vor den Einflüssen der schlechten Luft in China zu beschützen. Stattdessen wollte sie dieser schlechten Luftqualität auf den Grund gehen, die ihre Tochter nun zu Hausarrest zwang.

      Jing informierte sich über Luftverschmutzung, machte einen Dokumentarfilm über das Thema und nannte ihn „Under the Dome“. Die Dokumentation kam an einem Freitag in die chinesischen Kinos. Am Sonntag danach hatten bereits 150 Millionen Menschen den Film gesehen. „Er war so erfolgreich, weil Chai Jing es geschafft hat, der Luftverschmutzung nicht nur mehr Raum, sondern sogar ein Gesicht zu geben“, sagt Angel Hsu, Professor für Umwelttechnik am Yale-NUS College in Singapur.

      „Nur wenn wir alle verfügbaren Daten nutzen und teilen, können wir sicher sein, in welcher Situation sich die Umwelt wirklich befindet. Das ist die Grundvoraussetzung, um etwas verbessern zu können.“
      Angel Hsu

      Warum sind Daten so wichtig?

      Sie fügt hinzu: „Sie hat ihr ihr eigenes Gesicht gegeben. Das war der Grund, warum die Dokumentation viral ging. Sie war der Weckruf, den die chinesische Gesellschaft gebraucht hat. Und all das war nur möglich, weil Jing Daten gesammelt und ausgewertet hat.“ Das ist der Grund, aus dem Hsu für mehr Transparenz im Bereich Daten wirbt. „Wir müssen den freien Zugang zu Umweltdaten jedem ermöglichen, der daran interessiert ist.“

      Ihrer Meinung nach könnte das Weiterverbreiten von Daten eine entscheidende Rolle beim Umweltschutz spielen und unsere Welt nachhaltiger machen. Sie erklärt ihre Theorie weiter: „Nur wenn wir alle verfügbaren Daten nutzen und teilen, können wir sicher sein, in welcher Situation sich die Umwelt wirklich befindet. Das ist die Grundvoraussetzung, um etwas verbessern zu können.“

      Welche Daten müssten geteilt werden? „Zuallererst müssen wir wissen, wie die Luftqualität wirklich ist, wie hoch die Ozon- und Feinstaubbelastung ist.“ Ähnliche Messungen könnte man auch für die Qualität von Wasser, Erde oder anderen Parametern durchführen. „Daten, die unsere Umwelt betreffen, sollten jeden etwas angehen.“

      Welche Daten brauchen wir?

      „Viele Regierungen beobachten diese Dinge bereits“, erklärt Hsu. „Andere tun dies nicht – aus verschiedenen Gründen, zum Beispiel aufgrund der hohen Kosten, die Umweltkontrolle verursacht.“ Daher sind offizielle Daten schwierig zu bekommen und immer mit Vorsicht zu genießen.

      Das ist der Grund, wie Hsu sagt, warum man sich nicht ausschließlich auf die offiziellen Daten zur Luftverschmutzung verlassen kann. Es müssen mehr Menschen bei der Datenerhebung mitmachen, zum Beispiel bei Kampagnen von „Citizen Science“, die es ermöglichen, sich an der Erhebung der benötigten Umweltdaten zu beteiligen. Auch Menschen ohne wissenschaftlichen Hintergrund können mitmachen, insbesondere jetzt, da immer kostengünstigere Sensoren und Smart Devices entwickelt werden.

      „Die Beteiligung der Bürger ist sehr wichtig, um ein vollständiges Bild zu erhalten – über Schadstoffe, das Ausmaß der ökologischen Herausforderungen allgemein sowie die Auswirkungen auf uns .“
      Angel Hsu

      Wie kann es analysiert werden?

      Alle erhobenen Daten, sei es von Regierungen, Wissenschaftlern oder ganz normalen Menschen in den Städten, müssen in umsetzbares Wissen und Informationen umgewandelt werden. „Die Zahlen müssen in ein Ergebnis umformuliert werden, das für jeden verständlich ist“, so Hsu. Es gibt bereits erste entsprechende Lösungen und Innovationen.

      Viele Länder haben Farbcodes entwickelt, die bei Gesundheitswarnungen aufgrund des Luftverschmutzungsgrads zum Einsatz kommen. „Dieser Index folgt einem bestimmten Farbcode, der von Grün über Orange zu einem sehr tiefen Rot reicht“, erklärt Hsu. „Einige Regierungen haben noch weitere Schritte unternommen, um diese Indexe noch verständlicher für ihre Einwohner zu machen. Die Stadt Shanghai zum Beispiel hat eine Comicfigur entwickelt, deren Frisur immer dem Grad der Luftverschmutzung entspricht.

      Es gibt auch einige Apps, die den Luftverschmutzungsindex in Echtzeit abbilden, „sodass die Leute dem aktuellen Luftverschmutzungsgrad entsprechend handeln können und eine Maske tragen können“, so Hsu. „Dies hilft, die Leute zu informieren und ihnen zu verdeutlichen, was los ist.“

      Welche größeren Maßnahmen müssen getroffen werden?

      Wenn die Menschen verstehen, wie verschmutzt ihre Umgebung ist, wie viel Smog es gibt und wie wichtig es ist, den Klimawandel aktiv aufzuhalten, fordern sie deutlich mehr Maßnahmen und alternative Energiekonzepte ein. Dies hat einige Regierungen so sehr unter Druck gesetzt, dass sie weitreichende Maßnahmen umgesetzt haben, zum Beispiel die Einführung sauberer, erneuerbarer und nachhaltigerer Energie. „China ist da ein gutes Beispiel“, sagt Hsu.

      China produziert zwei Drittel seiner Elektrizität in Kohlekraftwerken, was 40 Prozent der globalen Energieproduktion entspricht. Nachdem sie Kohle als einen der Hauptverursacher ihrer Luftverschmutzungsprobleme erkannt hatte, begann die chinesische Regierung, das Problem Kohle anzupacken, um die Luftverschmutzung zu verringern und das Klima zu verbessern. China hat seitdem viele Kohlekraftwerke geschlossen und stark in alternative, erneuerbare Energiequellen investiert, und so innerhalb von sieben Monaten 35 Gigawatt (GW) aus Solarenergie gewonnen – das entspricht etwa der Hälfte der gesamten Solarenergie der USA. China ist nun Weltführer in Sachen Wasserkraft und produziert ein Drittel der Windenergie weltweit.

      Allerdings hat China auch wirklich hervorragende Voraussetzungen für erneuerbare Windenergie: Die Größe des Landes und die lange Küstenlinie sind wie gemacht für Windkraftanlagen, sodass Kapazitäten für etwa 2380 GW Energie an Land und 200 GW auf See gegeben sind. Die Regierung hat diesen Vorteil genutzt, indem sie kontinuierlich neue Anlagen installiert hat, um noch mehr erneuerbare Energie zu produzieren.

      „Luftverschmutzung, Smog und der Bedarf nach sauberer Energie sind globale Herausforderungen, die nicht an einer Grenze halt machen – deshalb müssen wir verstehen, dass wir in Zukunft alle zusammenarbeiten müssen.“
      Angel Hsu

      Was kommt noch dazu?

      Ein Beispiel: Momentan wird der Gansu Windkraftwerkpark, eine Gruppe großer Windenergiefarmen, im Westen der chinesischen Provinz Gansu für 17,5 Milliarden Dollar errichtet, der 2020 20.000 Megawatt (MW) erneuerbare Energie produzieren wird. Nach Fertigstellung des Projekts wird die Anlage aus hunderttausenden Windrädern bestehen.

      „Chinas Engagement für erneuerbare Energien bedeutet, dass sie auch weiterhin in die Entwicklung nachhaltiger Energiequellen investieren werden, inklusive Wind, Sonne und Wasser“, so Hsu. „Diese ambitionierten Pläne erfordern große materielle Investitionen, aber am Ende wird es sich für China auszahlen, wenn es von der schmutzigen Energieproduktion zu einer nachhaltigen wechseln kann, von der alle profitieren.“

      Chinas Annäherung an alternative und erneuerbare Energien hat bereits jetzt eine Reduzierung des Smogs zur Folge. Auch die Luftqualität hat sich um fast 30 Prozent verbessert und die Lebenserwartung der Menschen hat sich um 2,5 Jahre erhöht. „Außerdem wurden viele ‚grüne‘ Jobs geschaffen“, sagt Hsu, „sodass dieser Wechsel zu sauberer Energie sogar der Wirtschaft geholfen hat.“

      Welche Hindernisse müssen noch überwunden werden?

      So gut das auch alles klingen mag, andere Entwicklungs- und Schwellenländer werden in ihrer ökonomischen Entwicklung auf ähnliche Herausforderungen treffen, wenn sie weiterhin auf fossile Brennstoffe für ihre Energiesysteme bauen. Auch sie werden sich mit dem Thema Belastung und gesundheitlichen Risiken auseinandersetzen müssen und langfristig alternative Energie nutzbar machen. „China mag ein gutes Beispiel dafür sein, was durch die Kontrolle der Luft und dem Wechsel zu saubererer Energie erreicht werden kann, aber andere aus allen Teilen der Welt müssen folgen.“

      Hsu sagt weiter, dass „wir die USA und Europa dazu bringen müssen, mit Ländern wie China und anderen Schwellenländern zusammenzuarbeiten. Denn Luftverschmutzung, Smog und der Bedarf nach sauberer Energie sind globale Herausforderungen, die nicht an einer Grenze halt machen – deshalb müssen wir verstehen, dass wir in Zukunft alle zusammenarbeiten müssen.“

      Nur die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene und zwischen öffentlichen und privaten Sektoren bezüglich Datenerhebung kann helfen. „Deshalb müssen wir überall und bei allen Interesse wecken. Wenn das klappt und alle an Bord sind, haben wir einen riesigen Schritt hin zu einer nachhaltigeren und gesünderen Welt gemacht.“


      Brighter Talks - Über den Moderator

      Greg Lindsay Portrait

      Als Urbanist und Futurist beschäftigt sich Greg Lindsay per se mit der "Stadt von morgen" und spricht regelmäßig über Themen wie Globalisierung und Innovationen. Der studierte Journalist arbeitet als Leiter des Bereichs angewandte Wissenschaften bei NewCities – die Non-Profit-Organisation hat es sich zum Ziel gemacht, die Zukunft von Metropolen mitzugestalten und zu verbessern.

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