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      Blühende Felder, blühende Regionen und eine blühende, nachhaltige Wirtschaft

      Jeden Morgen um 5 Uhr macht sich Dr. S. Renganathan auf den 45 Kilometer langen Weg zu seinem Landwirtschaftsbetrieb. Er schaut nach seinen Feldern und seinem Vieh, spricht mit seinen Arbeitern und erledigt einige Dinge, die auf dem Hof sonst noch angefallen sind. Zwei Stunden später führt er – desinfiziert und in OP-Kleidung – in seiner Klinik in Dharmapuri, Indien, vielleicht schon einen komplizierten Kaiserschnitt durch und hilft einem Baby auf die Welt. Danach geht es für ihn weiter zu seiner Solartrocknungsanlage, um frische, lokale Produkte zu trocknen, die dann zu Fruchtriegeln und Süßigkeiten verarbeitet werden.

      „Mein Tag endet meist gegen Mitternacht. Ich bekomme selten mehr als fünf Stunden Schlaf“, so Dr. Renganathan. „Aber ich bin glücklich, denn ich leiste einen Beitrag für die Menschen in meiner Region.“

      Als Dr. Renganathan zum ersten Mal den Arztkittel gegen die Mistgabel eintauschte, bestand sein Ziel darin, diese Menschen mit gesunden Produkten in Bio-Qualität zu versorgen. Und heute bietet er seiner Region viel mehr als nur erstklassiges Obst und Gemüse: Mit seiner neuen Solartrocknungsanlage ermöglicht Dr. Renganathan den Menschen eine höhere Lebensqualität. Die mit Hightech-Polycarbonaten von Covestro entwickelte Anlage verringert die Nachernteverluste erheblich und bietet etwa 1.000 Bauern in Südindien ein stabiles Einkommen.

      Im Rahmen unserer Interviewreihe „Keiner kann sich außerhalb der Komfortzone wohlfühlen. Warum nicht?“ sprach Baratunde Thurston mit Dr. Renganathan, um zu erfahren, wie sein Quereinstieg in die Landwirtschaft seine Komfortzone strapaziert, neue Komfortzonen für die Menschen in seiner Region schafft und die Hoffnung weckt, dass wir mithilfe von Technik eine komfortablere Welt für uns alle aufbauen können.

      „Wenn man die Komfortzone anderer Menschen verbessern will, muss man seine eigene Komfortzone verlassen. Man muss sich in die Risikozone begeben.“

      Blühende Felder

      Umweltfreundlicher Bauernhof von Dr. Renganathan

      Im Jahr 2002 startete Dr. Renganathan ein radikales Experiment: Er verließ die Komfortzone seiner Klinik und eröffnete einen Bio-Bauernhof. Damals setzten viele Bauern in Indien auf Pestizide und Dünger, um ihren Ertrag zu steigern, doch infolge dieses wahllosen Einsatzes von Chemikalien beobachtete Dr. Renganathan eine Häufung der Krebsfälle in seiner Region. Er beobachtete, wie die Flüsse verseucht und die Böden unfruchtbar wurden.

      Mit dem Ziel, seine Umwelt und die Menschen in seiner Region vor schädlichen Pestiziden zu schützen, gründete Dr. Renganathan Om Sakthi, den umweltfreundlichen Bauernhof, den er noch heute betreibt. Im ersten Teil unseres Interviews spricht Dr. Renganathan über seine Entscheidung, einen Bio-Bauernhof zu eröffnen, über seine Erfahrungen und darüber, warum er Fehlschläge für den Schlüssel zum Erfolg hält.

      Wie kam es dazu, dass Sie einen Bauernhof gegründet haben?
      In dieser Region [Tamil Nadu] hat die Landwirtschaft eine lange Tradition, und ich wurde in eine Familie von Bauern hineingeboren. Nachdem ich mein Medizinstudium abgeschlossen hatte, ging ich in die Geburtshilfe und Gynäkologie, aber mein Vater hat immer gesagt: „Was auch immer du tust, vergiss nie die Landwirtschaft.“ Er ist einer der Gründe, warum ich meinen Bauernhof eröffnete.

      Warum war Ihnen diese zusätzliche Tätigkeit so wichtig? Die meisten Menschen hätten mit dem Beruf als Arzt sicher schon genug zu tun.
      Mit der Landwirtschaft habe ich das Gefühl, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Als ich sah, wie Düngemittel und Pestizide den Menschen und unserem Land schadeten, wollte ich etwas dagegen tun. Also gründete ich einen Bio-Bauernhof. Heute sagen viele Menschen, dass ich dazu beigetragen habe, in dieser Region einen Willen zur Veränderung wachzurufen.

      Dr. Renganatham und Baratunde Thurston

      Wie würden Sie Ihre eigene Komfortzone definieren?
      Ich habe mich schon mein ganzes Leben lang außerhalb meiner Komfortzone bewegt. Ich war der erste in meiner Familie mit einem Uni-Abschluss. Nach meinem Abschluss begann ich, mich mit Ansätzen für die drei Hauptbedürfnisse des Menschen zu beschäftigen: Nahrung, Bildung und Gesundheitsversorgung. Wenn man an so vielen Dingen arbeitet, kann man einfach nicht in seiner eigenen Komfortzone bleiben. Aber diese Herausforderungen machen mich glücklich. Komfortzonen lassen einen zu zufrieden sein.

      Zu zufrieden?
      Ja. Wenn man alles hat, setzt man sich für nichts mehr ein. Je wohlhabender die Menschen sind, desto fauler werden sie auch. [Lacht.]

      [Lacht.] Erzählen Sie mir mehr darüber, wie faul reiche Menschen sind. Das ist interessant.
      Eine ebene Straße bringt nie einen guten Fahrer hervor. Eine ruhige See bringt nie einen guten Seemann hervor. Und ein blauer Himmel bringt nie einen guten Piloten hervor. Das Leben kann nicht immer nur eine Erfolgsgeschichte sein, aber Fehlschläge helfen einem dabei, stärker zu werden und sich weiterzuentwickeln.

      Also sind Fehlschläge eigentlich zukünftige Erfolge?
      Ja, Fehlschläge sind wie ein Sprungbrett. Wenn man die Komfortzone anderer Menschen verbessern will, muss man seine eigene Komfortzone verlassen. Man muss sich in die Risikozone begeben.

      Als Bauer befinden Sie sich definitiv in einer Risikozone.
      Die Landwirtschaft war ein Risiko, das ich gerne eingegangen bin. Ich habe mein Gespartes in sie investiert, weil ich etwas Positives in meiner Region bewirken wollte. Es zählt doch nicht nur, wie man zu Wohlstand kommt, sondern auch, wie man ihn mit anderen teilt.

      „Mit den Solartrocknern erhalten wir die Qualität unserer Lebensmittel und gleichzeitig auch unsere Wirtschaft.“

      Blühende Regionen

      Dr. Renganatham und Baratunde Thurston

      Nach der Gründung von Om Sakthi erfuhr Dr. Renganathan am eigenen Leib, mit welchen Herausforderungen die indische Landwirtschaft konfrontiert ist. Die Bauern haben mit starken Preisschwankungen, Verlusten aufgrund von Überproduktion und strengen ästhetischen Standards zu kämpfen. Die meisten indischen Bauern – 85 Prozent – sind Kleinstbauern, deren Grundbesitz weiter schrumpft. Durch diese Unsicherheiten steigt ihre Risikoanfälligkeit zusätzlich.

      Während seiner Suche nach neuen Wegen, die Bedingungen für die Bauern in seiner Region zu verbessern, stieß Dr. Renganathan auf unsere Polycarbonatmaterialien. Aus diesem Hightech-Kunststoff baute er sechs Solartrockner, mit denen lokal angebaute Produkte haltbar gemacht und zu höheren Preisen verkauft werden können. Im zweiten Teil unseres Interviews erklärt uns Dr. Renganathan, wie seine Solartrocknungsanlage der Verschwendung von Lebensmitteln entgegenwirkt, den Bauern vor Ort ein stabiles Einkommen sichert und dazu beiträgt, Armut und Hunger in seiner Heimatregion zu bekämpfen.

      Wie würden Sie die aktuelle Situation der indischen Bauern beschreiben?
      Viele der Bauern in Indien produzieren mehr, als sie verkaufen können. Ein großer Teil ihres Ertrags landet auf dem Müll, weil keine Möglichkeiten zur Kühlung vorhanden sind. Die wäre einfach zu teuer. Außerdem wollen die Verbraucher Produkte, die alle die gleiche Farbe, die gleiche Größe und das gleiche Gewicht haben. Wenn die Produkte auf diese Weise aussortiert werden, sind 30 bis 50 Prozent des Ertrags plötzlich Abfall.

      Können Sie uns etwas mehr über das Verhalten der Verbraucher erzählen, die Obst und Gemüse ablehnen, das nicht perfekt ist?
      Die Menschen wollen Obst, das ansprechend aussieht. Doch landwirtschaftliche Produkte kommen nicht aus der Fabrik. Sie wachsen nach den Gesetzen der Natur. Daher haben sie keine einheitliche Farbe, Größe und Form. Aber was zählt, ist doch nicht die Farbe der Früchte, sondern ihr Nährwert.

      Das erinnert ja fast an die US-Bürgerrechtsbewegung. „Ich träume von einer Welt, in der Früchte nicht nach der Farbe ihrer Haut, sondern nach ihrem Nährwert beurteilt werden.“ Sie sind der Martin Luther King des Obstes.
      Ja! Die Einstellung der Verbraucher muss sich ändern. Wir müssen lernen, natürliche Produkte wieder zu schätzen. Wenn dieser Tag gekommen ist, wird es keine Verschwendung mehr geben und die Bauern werden steinreich sein.

      Solartrockner

      Wie trägt ein Solartrockner dazu bei, die aktuelle Situation der Bauern zu verbessern?
      Die Produkte, die die Bauern auf dem Markt nicht verkaufen können, bringen sie zu uns. Wir wollen den Bauern helfen, also zahlen wir ihnen dafür den Marktpreis. In unseren Trocknern verarbeiten wir die Produkte zu einer Trockenmasse, und diese Masse wird dann für Fruchtriegel oder Schokolade verwendet. Es ist eine Win-win-Situation.

      Wie funktioniert dieser Solartrocknungsprozess?
      Die Trockner bestehen aus Polycarbonatplatten, die von Covestro hergestellt wurden. Sie schützen die Produkte vor der UV-Strahlung. Die Solartrockner sorgen für eine optimale Luftfeuchtigkeit, und nach 36 Stunden ist der Trocknungsprozess abgeschlossen.

      Trocknungsprozess im Solartrockner

      Inwiefern trocknen die Früchte in einem Solartrockner anders als unter freiem Himmel in der Sonne?
      Der Solartrockner ist dem Trocknen unter freiem Himmel bei Weitem überlegen. Die UV-Strahlung der Sonne zerstört die Nährstoffe in den Früchten. Die Trockner aber filtern das UV-Licht heraus. Die Temperatur im Inneren der Trockner ist außerdem viel höher als draußen, wodurch sich der Trocknungsprozess beschleunigt. Und natürlich ist das Trocknen in einem abgeschlossenen Raum auch viel hygienischer.

      Man könnte die Trockner auch mit Diesel oder Benzin betreiben, aber bei Ihnen funktioniert alles mit Sonnenenergie, nicht wahr?
      Ja, mit den Solartrocknern ist der Trocknungsprozess viel natürlicher. Wir belasten die Umwelt nicht. Außerdem steht die Energie der Sonne allen frei zur Verfügung. Den Bauern entstehen also keine laufenden Kosten. Mit den Solartrocknern erhalten wir die Qualität unserer Lebensmittel und gleichzeitig auch unsere Wirtschaft.

      Wie kann so etwas wie ein Solartrockner Armut und Hunger entgegenwirken?
      Dank des Solartrockners können die Bauern mehr Obst und Gemüse gewinnbringend produzieren. Dadurch entsteht mehr Beschäftigung, was wiederum Armut und Hunger entgegenwirkt.

      „Jedes Unternehmen braucht Innovation, um zu wachsen, doch diese Innovation sollte nicht der Natur oder der Gesellschaft schaden.“

      Eine blühende, nachhaltige Wirtschaft

      Gewinnorientiertes Wirtschaften und Nachhaltigkeit

      Dr. Renganathan weiß um die Bedeutung der Landwirtschaft für das wirtschaftliche und soziale Gefüge Indiens. Er ist überzeugt, dass die Entwicklung neuer Technologien für die Landwirtschaft – wie die unseres Polycarbonatmaterials – entscheidend sein wird, um einen wettbewerbsfähigen, nachhaltigen Agrarsektor aufzubauen. Indem Dr. Renganathan den lokalen Bauern mit seinen Solartrocknern die Möglichkeit gibt, an der Wertschöpfung teilzuhaben, bringt er gewinnorientiertes Wirtschaften und Nachhaltigkeit miteinander in Einklang.

      Im letzten Teil unseres Interviews erklärt uns Dr. Renganathan, warum Innovationen wie der Solartrockner gut für die Bauern, gut für die Wirtschaft und gut für unseren Planeten sind.

      Welche Auswirkungen hat eine Technologie wie der Solartrockner, wenn man das große Ganze betrachtet?
      Der Solartrockner kann auf dem landwirtschaftlichen Markt eine enorm große Rolle spielen. Sechzig Prozent der nicht-städtischen Bevölkerung Indiens leben von der Arbeit in der Landwirtschaft. Als ein Land, das so stark auf die Landwirtschaft angewiesen ist, muss sich Indien auch über die Landwirtschaft weiterentwickeln. Der Solartrockner wird zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft beitragen, indem er das Einkommen der Bauern verbessert, ohne dabei Luft, Gewässer oder Böden zu belasten.

      Nach geschäftlichem Gewinn streben, aber gleichzeitig nicht der natürlichen Umwelt schaden – ist das miteinander vereinbar?
      Ja, das ist es. Jedes Unternehmen braucht Innovation, um zu wachsen, doch diese Innovation sollte nicht der Natur oder der Gesellschaft schaden. Wir sollten die Umwelt nicht verschmutzen, und wir sollten auch die Bauern nicht ausbeuten.

      Keine Umweltverschmutzung, keine Ausbeutung – jetzt klingen Sie wie ein wahrer Aktivist. Sie kämpfen für die Umwelt und die Menschen.
      Ja, es müssen viele Dinge bedacht werden. Dem Planeten soll es gut gehen, aber den Bauern soll es auch gut gehen. Wir müssen aufhören, den Bauern den Gewinn streitig zu machen. Die Händler, die zwischen der Produktion und der Verarbeitung stehen, stecken sich viel Geld in die Tasche, ohne viel dafür zu tun. Mit den Solartrocknern können die Bauern die Verarbeitung, die Produktion und den Verkauf selbst in die Hand nehmen.

      Wir sollten also nicht nur der Umweltverschmutzung ein Ende setzen, sondern auch der Ausbeutung von Menschen – in dem Fall der der Bauern –, die den Lebenszyklus der Welt am Laufen halten.
      Genau. Alle Regierungen dieser Welt sollten sich um ihre Bauern kümmern. Ohne Bauern gibt es keine Nahrung. Das natürliche Ökosystem sollte ebenfalls bewahrt werden, damit wir zukünftigen Generationen etwas hinterlassen können.

      Worin sehen Sie Ihre Rolle bei der Erreichung dieser großen Ziele?
      Ich möchte ein Vorbild sein. Ich kann kein Feuer herbeizaubern, aber ich kann in den Köpfen der Menschen einen Funken entfachen. Jeder von uns hat Potenzial. Diese ganze Energie müssen wir zusammenbringen und zum Wohle der Gesellschaft einsetzen.

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