Vom Abgas zum Rohstoff

Kohlendioxid: In riesigen Mengen entweicht es aus Autos, Fabriken und Kraftwerken. Aber CO2 ist nicht nur ein klimaschädliches Abgas – es lässt sich auch als Rohstoff nutzen. Covestro hat ein Verfahren entwickelt, um damit erstmals hochwertige Kunststoffe herzustellen. Eine bahnbrechende Neuerung, mit der das Unternehmen seine Rohstoffbasis verbreitert und Erdöl spart.
Erdöl ist der Schmierstoff der Welt. Die fossile Ressource treibt Autos und Flugzeuge an, ist Basis für Medikamente und für praktisch alle Kunststoffe. Doch die Vorräte an Erdöl sind begrenzt. An dessen Stelle kann aber etwas treten, das es im Überfluss gibt: Kohlendioxid. Denn das Abgas hat eines mit dem Öl gemeinsam: Es enthält das Element Kohlenstoff, einen zentralen Baustein der chemischen Industrie.

Den Kohlenstoff im CO2 als Rohstoff zu nutzen war lange ein Traum der Fachwelt. Die Herausforderung: Als Endprodukt der Verbrennung ist CO2 sehr reaktionsträge. Große Mengen Energie sind nötig, um es wieder zu einer chemischen Verbindung zu motivieren.

Durchbruch in der Forschung


Im Projekt „Dream Production“ hat sich Covestro gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft dieser Herausforderung gestellt und ein Verfahren entwickelt, mit dem CO2 als Rohstoff in der Kunststoffproduktion eingesetzt werden kann. Möglich wurde das erst durch die Entdeckung des passenden Katalysators. Nach dem hatte die Fachwelt seit Jahrzehnten gesucht. Er senkt die Aktivierungsenergie – also die Energie, die gebraucht wird, um die Reaktion mit CO2 zu starten. Erst so wird das Verfahren ökonomisch wie ökologisch sinnvoll.

Neue Produktionsanlage

Am Standort Dormagen bei Köln hat Covestro eine Produktionsanlage errichtet, um mit diesem Verfahren ein erstes Produkt herzustellen – ein Polyol in neuartiger Form. Polyole sind Vorprodukte von Polyurethan-Weichschaum, der in vielen Dingen des täglichen Lebens verwendet wird. Die so entstehenden Schaumstoffe mit CO2-Anteil sind für den Einsatz in Matratzen und Polstermöbeln konzipiert.

Das neue Polyol enthält rund 20 Prozent CO2. Das heißt: in dieser Größenordnung wird der konventionelle Rohstoff auf Erdölbasis ersetzt. Tests haben gezeigt: Der Weichschaum mit CO2 hat mindestens dieselbe hohe Qualität wie konventionelle Materialien.

Weichschaum ist aber erst der Anfang. Covestro arbeitet in Folgeprojekten einerseits daran, noch mehr CO2 in seine Werkstoffe einzubauen. Andererseits will das Unternehmen möglichst viele andere Kunststoffe mit Kohlendioxid-Anteil herstellen. Das Ziel bei alldem: In Zukunft einmal in größerem Maße auf Erdöl in der Kunststoffproduktion verzichten zu können.